Keine Sau liest meinen Blog

Wahrnehmungsverzerrung

Geht es eigentlich nur mir so? Oder kennt Ihr das auch, dass man sich ab und an dabei ertappt, wie man schleichend und durch sich und seine Umwelt unbemerkt seine Meinung geändert hat? Woran liegt das nur?

Manchmal sind es nur Kleinigkeiten. Winzige Dinge, die eigentlich nicht weiter interessieren. Noch vor anderthalb Jahren habe ich in meinem damaligen Friseursalon vollmundig über Haremshosen abgelästert. Die seien schon in den 70ern und erst recht in den 80ern scheiße gewesen und kein Mensch sollte solche Dinger jemals wieder herstellen, geschweige denn, tragen dürfen. Ich weiß das deshalb noch so genau, weil die Besitzerin des Salons in diesem Moment um die Ecke kam. Natürlich in Haremshosen. Wirklich freundlich war sie an diesem Tag nicht mehr zu mir.

Aber irgendwie habe ich meine Einstellung den Haremshosen gegenüber geändert. Mein Lieblingsschlafanzug hat nämlich eine eben solche, und ich finde mich wahnsinnig chick darin. Nur leider etwas zu spät, die sind nämlich schon wieder out.

Aber manchmal betreffen meine Einstellungsänderungen auch wichtigere Sachen. Gesundheit, Weltanschauung oder Moral. Vor gar nicht allzu langer Zeit fand ich es ziemlich albern, dass in Kneipen nicht mehr geraucht werden sollte. Spieleabende mussten bei uns stattfinden, da man bei den Freunden zum Rauchen vor die Tür gehen musste. Heute finde ich es sogar schon eine Frechheit, wenn ich jemandem begegne, der auf offener Straße raucht. Der Rauch könnte in meine Richtung wehen und mich zu lebenslänglicher Invalidität verdammen. Und da spielt es auch keine Rolle, dass ich noch vor 11 Jahren selber an die zwei Schachteln am Tag geraucht habe.

Früher fand ich es beispielsweise sehr wichtig, aus meiner Heimatstadt wegzuziehen, um Karriere zu machen, eine Arbeit zu finden und irgendwie unabhängig zu werden. Heute glaube ich, dass man mir einen Bären aufband, als man mir von Politikerseite versicherte, dass berufliche Flexibilität das A und O sei und mein Leben enorm bereichern würde. Heute glaube ich, dass ich mir durch mein Umsiedeln viele Probleme eingehandelt habe, die ich vielleicht besser hätte lösen können, wenn ich in meiner Heimatstadt geblieben wäre.

Woher kommen bloß diese Wandel? Werbung? Image- und Antiraucherkampagnien? Springe ich wirklich so sehr auf die dürren Models auf den Plakaten an, dass ich auch unbedingt Pluderhosen haben möchte? Oder bin ich über die Zeit vielleicht etwas erwachsener geworden?

Andere Ansichten allerdings bleiben weiterhin konstant und haben sich über die Jahre nicht vom Fleck gerührt. Ich glaube weiterhin daran, dass man mit Ehrlichkeit weiter kommt, ich glaube daran, dass man Kinder laufen lassen muss, ich glaube felsenfest, dass Frauen die besseren Autofahrer sind und Mathe einfacher ist als Französisch.

Welche Ansichten habt Ihr geändert? Ich freue mich auf Kommentare!

, , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.