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Der Tag meiner Kinder

Vor einiger Zeit habe ich hier eine kurze Zusammenfassung eines ganz gewöhnlichen Tages in meinem Leben veröffentlicht. Aber dieser Tag ist ja gar nichts gegen einen Tag im Leben meiner Kinder!
Wie gut, dass jeder weiß, was die Kinder UNBEDINGT JEDEN TAG alles zu tun haben! Als ich Mama wurde, war ich mir ganz sicher, dass meine Kinder mindestens drei Viertel ihres Tages in irgendwelchen Wäldern rumstreunen, sich mit anderen Kindern zum Spielen treffen, oder auch einfach nur mal einen ganzen Tag Hörspiele hören.

Aber die grausige Wahrheit hat mich schon kurz nach der Geburt des ersten Kindes eingeholt. Die ersten U-Untersuchungen folgen dicht auf dicht. Die Hebamme kommt alle paar Tage vorbei und am besten geht man zügig in eine Stillgruppe und möglichst bald zur Rückbildung mit Kind. Und dann wird es auch schon Zeit, sich und sein Kind beim Pekip anzumelden. Das muss man ja unbedingt machen, wenn man frühzeitig sein Kind fördern will und Chancen auf einen Platz in der anschließenden Krabbelgruppe haben möchte.

In den wenigen Momenten, in denen man sich mal mit seinem Kind beschäftigen könnte, muss man selber zu den Nachuntersuchungen und zum Ernährungskurs (natürlich mit Kind), weil einem niemand erzählt hat, dass Kinder auch etwas essen müssen, wenn sie mal nicht mehr gestillt werden. Und da man nicht zu den Müttern gehören möchte, die aus lauter Verzweiflung Milchschnitten prürieren, muss man sich schon mal ein oder zwei Stunden nehmen.

Dann wird es langsam Zeit, die Kleinen Scheißer im Kindergarten anzumelden. Schließlich können sie ja schon fast laufen. Am besten nimmt man einen Ganztagsplatz, dann kann man wieder arbeiten gehen. Wenn man Glück hat, dann muss sich das Kind dort nicht mit den anderen langweilen, sondern man kann es auch noch in diversen Kindergartenangeboten wie „Englisch“, „Oboe“ oder „Frustrationsbewältigung für Kleinkinder“ unterbringen. Wenn nicht, ist das auch nicht so schlimm, weil man nach dem Kindergarten ja zum Babyschwimmen oder in die Musikschule geht.

Wenn man Abends nach Hause kommt, ist noch kurz Zeit, um die vom Physiotherapeuten empfohlenen Übungen zu machen und die Klammer einzusetzen, bevor es ins Bett geht.

Dann hat man kurz fünf Minuten Muße, sich zu fragen, warum das garstige Kind den ganzen Tag so nölig war.

Aber der Tagesablauf im Kindergarten ist ja nichts gegen den während der Schulzeit! Die Kinder sind von 8:00 bis 17:00 in der Schule mit anschließender Betreuung. In den weiterführenden Schulen ist der Stundenplan mit 36 Stunden vollgepackt. Da sind schon Gewerkschaften für weniger Stunden auf die Straße gegangen. Nach der Betreuung müssen dann aber noch die Hausaufgaben kontrolliert und Gedichte oder für Klassenarbeiten gelernt werden. Es soll aber die Förderung nicht zu kurz kommen. Reiten, Schwimmen, Karate, Tanzen und Filzen werden irgendwo am Wochenende oder in den Abendstunden noch absolviert. Und wenn es mal in ein oder zwei Fächern nicht so gut läuft? Kein Problem. Es gibt doch so wundervolle Nachhilfeangebote und Workshopangebote und Gewaltlosigkeitstrainings und Legastheniekurse und … Zudem ist es extrem wichtig, dass Kinder im Haushalt und in der Familie Verantwortung übernehmen, den Müll rausbringen, den Rasen mähen und sich ums Haustier kümmern.

Und nach all den Punkten haben sich meine Kinder aber noch mit keinem Freund verabredet, noch keine Minute faul auf der Couch gesessen, noch keinen Baum gesehen geschweige denn durften sie mal ausschlafen. Sie haben noch nicht rumgegammelt, gespielt, mit Lego gebaut oder gekuschelt. Ich steig aus! Lange Zeit war ich bemüht, meinen Kindern den Alltag zu organisieren. Ich steig um und organisiere ihnen ihre Freizeit.

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