Keine Sau liest meinen Blog

Gestern Abend

Ich habe das Gefühl, dass viele von Euch das Gefühl hatten, dass sie diesen Blog heute bei mir finden würden. Für die von Euch, die das Gefühl haben, dass sie nicht wissen, wovon ich rede, hier eine kleine Einführung.

Gestern Abend hatte ich die große Freude bei einer von einer Freundin organisierten Veranstaltung teilnehmen zu dürfen. Bei dieser Veranstaltung handelte es sich um einen Vortrag mit dem Thema „Vorpubertät bei Jungs“. Aus diesem Vortrag hab ich viel Nützliches mitgenommen. Eine der Hauptaussagen war, dass mit zehn Jahren die Kindheit vorbei sei und unsere kleinen Monster sich zu großen Monstern entwickeln werden. Dies könne einhergehen mit Wutanfällen, Unzufriedenheit, Rückzug, Rebellion und der Unfähigkeit, über Gefühle zu sprechen oder gar, sich seinen Tag oder seine Arbeitsabläufe zu organisieren. Im Großen und Ganzen unterscheidet sich dieses Szenario nicht sonderlich von dem, das ich in den letzten 10 Jahren hier zu Hause durchlebt habe. Und wenn ich mir meinen besten Ehemann von allen (kleine Ode an Kishon) so ansehe, mag ich auch nicht daran glauben, dass sich dieser Zustand nach dem 18. Lebensjahr merklich bessern wird. Wir haben etliche Männer im Freundeskreis, die anscheinend nahtlos von der Pubertät in die Midlife-Crisis gerutscht sind.

Die nun kommende Zeit meiner Kindern in der Pubertät erschreckt mich nur insofern, dass ich fürchte, dass sie auf ihre Mutter kommen könnten. Ich habe schrecklich pubertiert. In den schillerndsten Farben. Damit meine ich natürlich nicht meine damals heißgeliebte Kluft, die war ja immer schwarz. Oder vielleicht mal in einem fröhlichen Mausgrau (kleine Ode an Vicco). Wenn meine Blagen nur halb so schlimm werden, wie ich, dann hab ich zu tun.

Aber ich werde einige der Tricks meiner Mutter aufgreifen. Ich habe – einige mögen das anders sehen – eine gute Erziehung genossen. Obwohl, (oder, wie ich finde, gerade deshalb), meine Mutter selten mit Verboten gearbeitet hat. Wenn es welche gab, dann konnte ich sie begreifen und war somit von mir aus bereit, diese einzuhalten. Gestern wurde das Thema diskutiert, wie man damit umgeht, wenn Kinder die Zeiten nicht einhalten, zu denen sie zu Hause sein sollen. Der Rat war, dass man bei einer Verspätung eben diese verspätete Zeit am nächsten Abend abziehen solle. Ich hätte mit 16 Jahren wohl ein Stundenkonto eröffnet, bei dem ich mir Stunden, die ich nicht weg oder früher zu Hause war, am nächsten Abend aufgeschlagen hätte. Meine Mutter hatte einen besseren Trick. Wenn alle anderen um 22:00 zu Hause sein mussten, durfte ich immer bis 22:30 bleiben. Wie langweilig so eine Party ist, wenn alle Freunde schon zu Hause sind, kann man sich vorstellen. So war auch ich aus eigenem Antrieb immer um 22:00 zu Hause.

Auf eben diesen Parties standen dann die anderen Schwerstpubertierenden rum und beschwerten sich lauthals über ihre Eltern. Was diese nicht alles getan oder nicht getan hätten. Ich konnte nur immer ziemlich uncool daneben stehen und sagen, dass meine Eltern wirklich toll seien. Ich wusste, mir wird vertraut und ich habe dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen.

Im Rückblick habe ich das meiste nicht aus den Regeln gelernt, die ich vorgesetzt bekommen habe, sondern aus denen, die ich mir selber, wenn auch  manchmal mit blauem Auge, selbst erarbeitet habe.

Meine Mutter hatte noch viele solcher Tricks auf Lager, die werde ich aber an dieser Stelle nicht verraten. Feind liest mit!

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One thought on “Gestern Abend
  • […] Kürzlich schrieb ich über die Tricks, mit denen meine Mutter mich und meinen Bruder zu – ich… Ansonsten neigt man ja gerade in der Pubertät dazu, jegliche Erziehungsmaßnahme, die man als solche erkennt, zu boykottieren und mit Widersetzung zu bestrafen. Auch in anderen Altersstufen kommt dieses Phänomen vor. Meine Kinder zum Beispiel konnten noch nicht lesen, verweigerten aber jedes Spielzeug, auf dessen Packung das Prädikat „pädagogisch wertvoll“, „spielerisch lernen“, oder ähnliche Phrasen gedruckt waren. […]

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