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Hier angekommen

Wenn man, so wie ich, aus dem Norden* ins Rheinland zieht, benötigt man einige Zeit, um den Kulturschock, den man bei der Umsiedlung erleidet, zu überwinden. Bei mir hat das ca. 10 Jahre gedauert. Meine autotherapeutischen Erfolge wurden durch den alljährlichen Karnevalsexzess regelmäßig wieder zu Nichte gemacht.

Große Probleme bereitet einem neben den Lebensgewohnheiten, denen sich der Rheinländer hingibt, die Sprache. Wer sich schon einmal der Lächerlichkeit preis gegeben hat, weil er statt des bestellten Vogels nur ’ne doofe Schrippe auf dem Teller hatte, der weiß, worüber ich rede. In meiner Eingewöhnungsphase musste ich Diskussionen darüber führen, ob ich nun nur ein Teilchen oder ein ganzes Stück Kuchen möchte. Ebenso ist es für den Muschelschubser nicht zu verstehen, mit wem man nun genau quitt ist, wenn man etwas verloren hat.

Zu den etwas eigenartigen Redewendungen gesellen sich grammatische Gruseligkeiten, die mir sogar heute noch Schauer über den Rücken jagen. So hat der Rheinländer nicht nur etliche Wörter, die im Rest der Welt nicht bekannt sind, er hat sogar andere komplett aus dem Sprachgebrauch gestrichen. Z.B. das kleine Wörtchen „als“ scheint hier durch das Wort „wie“ ersetzt worden zu sein. Ebenso ist es dem Genitiv ergangen. Bei der Redewendung: „Wem ist das Kind?“, hat sich der Fragende nicht etwa vertan und meinte vielleicht „Wer ist das Kind?“, sondern erstaunlicher Weise, wem das Kind gehört, oder wessen Kind das ist.

Lustig ist auch die Angewohnheit, etliche Wörter wie Körperteile auszusprechen. Ein arg langweiliges Theaterstück wird hier schnell zu einem arsch langweilijen Theaterstück. Ein ähnliches Phänomen zeigt sich bei dem Wort Gemüse, soll hier aber nicht weiter ausgeführt werden.

Wie ich vor bald zwanzig Jahren hergezogen bin, hätte niemand ahnen können, dass ich jetzt hier sitze und mir ein Haus, drei Kinder und der beste Ehemann von allen sind. Und da der Dom  noch steht, wird wohl auch alles gut gehen.

*Norden = Schleswig-Holstein, das liegt nördlich von Hamburg, und: Ja, da geht Deutschland noch weiter, das gehört noch nicht zu Dänemark

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