Keine Sau liest meinen Blog

Was ist passiert?

Vielleicht hat sich der ein oder andere gefragt, warum ich Anfang 2016 sang- und klanglos meinen wunderbaren Blog abgeschaltet habe. Die Antwort ist ganz einfach: Ich bin abgemahnt worden. Wie das kam, lässt sich vielleicht am besten aus der Sicht des verzweifelten Fotografen schildern, der eine Agentur beauftragte, die einen Anwalt beauftragte…


Also. Nur mal angenommen…

  1. Stellen wir uns mal vor, ich sei eine mehr oder weniger bekannte und talentierte Fotografin. Natürlich keine gelernte Fotografin. Sondern eigentlich eher Bürokauffrau mit Wissen im Bestattungswesen oder so.
  2. Und stellen wir uns weiter vor, kein Mensch würde meine Bilder kaufen oder mich beauftragen, weil meine Bilder eigentlich nichts taugen. Eine vernünftige Ausbildung als Fotograf zu machen, ist mir aber zu anstrengend. Zudem bin ich ja schlau!
  3. Ich hab’s! Ich gründe einfach eine Firma. Der gebe ich dann einen knackigen Namen wie Bilderklau oder irgendwas mit Diebstahl und Bildern oder so. Besser noch! Ich gebe ihr einen wirklich wichtig klingenden Namen! Verein oder Verband. Und Schutz geistigen Eigentums klingt auch immer super! Das kling so ehrlich. Und vertrauenswürdig.
  4. Was soll diese Firma nun machen? Die stöbert im Internet meine illegal benutzten Bilder auf.
  5. Dann suche ich mir einen gewieften Kieler Anwalt. Der mahnt für mich die Nutzer meiner Bilder ab! Toll! Das funktioniert bestimmt.
  6. Wenn nun aber gar niemand meine Bilder klaut? Vielleicht sollte ich dafür sorgen, dass die Nutzer (vor allem kleine Blogger und Schreiberlinge) denken, sie seien kostenlos. Aber wie, aber wie…?
  7. Ich vergebe auf Flickr einfach eine Lizenz. Creative Commons ist super geeignet, weil ich bei dieser Lizenzform spezielle, komplexe Kennzeichnungsauflagen verlangen kann. Wenn diese nicht eingehalten werden, kann der nette Anwalt aus Kiel abmahnen. Jetzt heißt es: Warten.
  8. Es ist immer noch niemand in meine Falle getappt! Tja, manchmal muss der Berg eben zum Propheten kommen. Ich verteile meine Bilder einfach großzügig in Portalen und WordPress-Tools mit wohlklingenden Namen wie „100%-free-photos“ oder so ähnlich. Da könnten die Nutzer irgendwie der Idee erliegen, dass die Fotos 100% kostenlos seien. Oder?
  9. Ja! Das sollte funktionieren. Dann schreibt der nette Kieler Anwalt auf die Rechnung: 1375,75 €. Fertig.
  10. Ach, da wäre noch etwas. Auf meiner Homepage veröffentliche ich dann noch einen herzerweichenden Artikel, was die Creative Common Lizenz ist, was sie macht und dass der Backlink schließlich die einzige Bezahlung des Künstlers sei! Dann denkt bestimmt keiner mehr, dass das nur eine Masche ist, um Geld abzuzocken…

Klingt lustig? Ja, ist es. Jetzt. Nach dem Abschalten meines Blogs (ich bin seit anderthalb Jahren auf Blödsinnschreibentzug!), Verhandlungen mit Mediatoren und schlaflosen Nächten haben wir uns mit dem netten Anwalt auf 650€ geeinigt. Bravo! Gut gemacht! Mensch, da kann man wirklich stolz auf so einen grandiosen Winkelzug sein.

Wer sich weiter in das Thema einlesen möchte, kann es hier tun:

linuxundich.de
ra-plutte.de
knazleikompa.de

One thought on “Was ist passiert?
  • Ingrid sagt:

    Liebe Tinka, da bist du mit deiner Erfahrung nicht alleine. Mir ist dasselbe mit einer Häkelmütze passiert , die ich selbst gemacht und vom Design her entworfen umd bei dawanda eingestellt habe. Irgendwasnn bekam ich eine Abmahnung von einem dubiosen Rechtsanwalt. Eine mützenfirma hatte die Mütze mit dem Design natürlich mittlerweile im Sortiment und ich sollte 5000€ zahlen.
    Das Ganze ging dann über einen von mir beauftragten Rechtsanwalt mit einer Zahlung von 500€ aus . Ich habe meinen alten blog gelöscht umd sämtliche urls von einer Spezialfirma entfernen lassen, damit das Bild mit der Häkelmütze wirklich niemsls mehr auftaucht, denn für diesen Fall wirde mir mit einer Forderung von 2500€ pro Fall gedroht.

    Seither bin ich extrem vorsichtig geworden. Das ist ein ganzer Geschäftszweig von Anwälten , die so etwas betreiben.

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