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Von der Schickse zur Trümmerlotte

Es gibt da diese kleine, (liebenswerte, Anm.d.Red.) Stadt in NRW. Manchmal sind wir dort zu Besuch. Und immer, wenn wir auf dem Marktplatz sitzen, bin ich fasziniert, wie es sein kann, dass eine komplette Generation an Mode, Wandel und Geschmack an dieser Stadt ohne nennenswerte Spuren vorbeigegangen sein kann? Hier könnte man noch heute Manta, Manta drehen. Hier gibt es sie noch. Die Vokuhilas, Schnäuzer und Jeansjacken. Und ja, auch Dauerwellen à la Axel Schröder bis Minipli sind in ihrer ganzen schrecklichen Vielfalt anzutreffen.

Ich habe den Verdacht, dass man sich in dieser Stadt nicht zu lange aufhalten sollte, sonst könnte einem eine sonderbare Verwandlung widerfahren, die jeden mitreißt, der sich dort niederlässt. Und diese Verwandlung scheint unwiderruflich.

Die jungen Mädchen dort sind schlank, haben wunderschöne, blondierte Haare, sind in den schillerndsten Farben gestrichen und rauchen wie ein Schlot. Dann stöckeln sie noch mit ihren High-Heels durch die Fußgängerzone und bezirzen sehr erfolgreich die schnurrgebärteten Männer in Jeansjacken und Fuchsschwänzen an ihren Antennen. Aber dann nimmt das Schicksal seinen Lauf. Es dauert manchmal nur ein paar Wochen, in denen die Haare durch das Wasserstoffperoxid strohig werden. Also entschließt man sich, das Blond herauswachsen zu lassen. Da aber zu der Frisur in halb Straßenköterbraun und halb Weißblond so gar keine Farbe mehr passen will, hört man bald danach auf, sich zu schminken. Und schon hat man ihn eingeschlagen: Den Weg von der Schickse zur Trümmerlotte. Die Klamotte wird vernachlässigt, das ständige Rauchen macht die Haut alt und runzlig und der fiese Auswurf, der inzwischen beim Husten entsteht, wird hemmungslos auf die Straße gespuckt. Der Gang der Zeit wirft einem noch kurz ein paar Kilos auf die Hüfte, was einen aber nicht davon abhält weiterhin in Leggings herumzulaufen. Zum Glück hat man aber in seiner guten Zeit einen von den Jeansjackenträgern ergattert, der nun mit seiner blondgesträhnten Vokuhila und seinem beachtlichen Bierbauch das Sofa mit einem teilt. Ende gut, alles gut.

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