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Der Sinnzerfall und die Rettung

Seit geraumer Zeit erfahre ich nun schon einen enormen Sinnzerfall beim Fasten. Am Anfang der Fastenzeit ist man noch voller Tatendrang und Ehrgeiz, das sich gesetzte Ziel zu erreichen. Aber nun fällt es mir schon langsam schwer, die leckere Käse-Sahne-Torte nur zu bewundern und sie nicht in mich hineinzustopfen. Noch schlimmer ist es, der doofe Spielverderber auf Parties zu sein, wenn man mit seinem Gläschen Wasser in der Hand in die schockierten Gesichter der anderen Gäste schaut, die diesen Anblick in tausend Jahren nicht erwartet hätten. Oder meiner Freundin Sybille zuzusehen, wenn sie sich langsam aber sicher einen wohligen Schwipps antrinkt und anschließend (ich!) ins Auto zu steigen und nach Hause zu fahren.

Man ist ständig versucht, die Grenzen weiter auszulegen. Sind gezuckerte Erdbeeren denn nun wirklich ein Verstoß gegen das Fasten? Oder das Auslecken der Schüssel, wenn man für den Kindergeburtstag Muffins gebacken hat? Ich weiß ja, dass kein Blitz vom Himmel fährt, um mich bei einem Verstoß zu rösten. Aber irgendwann war doch mal ein Zeitpunkt, zu dem ich das alles unbedingt bis Ostern durchhalten wollte.

Dann gibt es die moralisch schwerwiegenden Fragen, die meist von unserem Jüngsten gestellt werden: „Mama, ich mag das Schokoladenei nicht, kannst Du es aufessen?“ Darf man wirklich Lebensmittel wegwerfen, um seine Fastenziele zu halten? Am Anfang der Fastenzeit war ich mir sicher, dass das kein Problem ist, aber mit anhaltendem Zuckerentzug bin ich mir plötzlich NICHT mehr so sicher.

Es ist so ähnlich wie das  Dilemma, das Frank und ich an manchen Abenden durchleben, an denen wir uns fragen, was genau noch mal der Grund für unsere Entscheidung war, die Kinder gewaltfrei zu erziehen. Als ich mit dem Rauchen aufhörte, hatte ich auch die Phase, in der es eigentlich keine Rolle spielte, dass ich Lungenkrebs bekomme, dass ich nie wieder von meinen Nichtraucherfreunden eingeladen werde oder verarmt unter der Brücke hause, weil ich unser ganzes Geld verquarze. Mir half damals nur der Gedanke, dass ich unbedingt Kinder wollte und deshalb nicht mehr anfangen konnte.

Ganz hinterhältig trifft mich im Moment mein aufgestocktes Fastenziel, die Dinge positiv zu sehen. Die gefühlte dauernde Unterzuckerung ist meiner Laune nicht zuträglich. Und dazu noch meine eh überkritische und ewig nörgelnde Persönlichkeit, macht es nicht leichter, freudig auf den nächsten torten- und bierfreien Tag zu blicken.

Aber dann habe ich heute etwas gefunden. Ich wette mit Euch, dass man sich nicht wehren kann. Jeder, der bei diesem Clip nicht wenigstens ein kleines Lächeln hervorzaubert, hat auch nicht geweint, als Bambies Mama erschossen wurde.

 

Anti Depression Video – YouTube.

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