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Warum Campen kein Urlaub ist (Die meistgelesenen – Aus dem Archiv)

Ich hatte es schon immer im Gefühl. Irgendwie hat es immer schon gekribbelt, wenn jemand sagte, er würde im Urlaub zum Campen fahren. So, wie wenn es kribbelt, wenn jemand einen grammatischen Fehler macht. „Wie“ und „Als“ vertauscht oder so. Ich konnte nie den Finger drauf legen, aber jetzt habe ich sie gefunden. Die ultimative Argumentation dafür, dass Campen kein Urlaub ist. Wenn „normale“ Leute, also Nichtcamper, von ihrem Urlaub erzählen, dann hört sich das so an:

„Wir hatten ein wahnsinns Ferienhaus. Mit einem tollen Yakusi. Ich glaub, wir bauen uns zu Hause genau so ein Badezimmer. “

Oder:

„Die mediterrane Küche in unserem Fünf-Sterne-Hotel war so lecker, dass ich mir wünschen würde, wir hätten in Bergisch Gladbach auch so ein gutes Lokal.“

Oder:

„Diese endlosen Sandstrände! Wir haben dort in zwei Wochen Urlaub nicht ein einziges mal jemanden getroffen. Hier in Gladbach muss ich jeden Tag hundert Leute Grüßen. Diese Ruhe im Urlaub war herrlich.“

Mir fallen zahllose Beispiele ein. Aber hat man jemals jemanden sagen hören:

„Wir hatten wahnsinns Nasszellen, ich habe meinen Nachbarn beim Duschen gehört. Das war richtig gemütlich. Und es lagen nur wenige Haare vom Vorgänger im Abfluss. Es gab dort mindestens 14 Toiletten in einer Reihe. Das war der Hit! Ich glaub, ich bau mit meinen Nachbarn zusammen ein großes Gemeinschaftswaschhaus.“

Oder:

„Die Pommesbude auf dem Platz war so lecker, ich wünschte, der Wurstseppel hätte genau so gute Würstchen.“

Oder:

„Boh, schade, dass dieses Jahr der Platz so leer war. Wir haben jeden Tag einen Platz am Pool bekommen und mussten morgens für die Brötchen nur eine dreiviertel Stunde anstehen. Hoffentlich wird es nächstes Jahr wieder so richtig voll.“

So. Und weil wir uns für zu Hause auch keine Gemeinschaftsduschen wünschen, gerne gut essen und ab und an auch mal nackt zur Dusche gehen wollen, und vor allem nicht wollen, dass wir unserem Nachbarn dabei begegnen, wie er nackt zur Dusche läuft, ist Campen kein Urlaub.

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2 thoughts on “Warum Campen kein Urlaub ist (Die meistgelesenen – Aus dem Archiv)
  • Frank sagt:

    Es kribbelte so, während ich diesen Artikel las. Warum nur? Zuerst konnte ich nicht mit dem Finger drauf zeigen. Camping ist kein Urlaub? Was ist mit der Nähe zur Natur? Ok, verflixte Mücken. Das ist es nicht. Aber jetzt weiß ich es. Der Kaffee aus dem Campingkocher schmeckt einfach am besten. So! Und darum ist Camping Urlaub!

  • Tim sagt:

    Außerdem hat man nach 2 Tagen am Pool alles gesehen und hat kein Bock mehr, weil immer das gleiche passiert. Im schlimmsten Fall springen dir irgendwelche 24 Jährigen Animateure auf der Nase rum, weil sie mit dir Dart oder Wasserball spielen wollen. Aber das schlimmste kommt noch, denn man hat am Pool keinen Grill an dem man mit ein paar Kumpels und ein paar Kisten Bier sitzen kann.
    Auf dem Campingplatz passiert immer etwas. Mein Highlight ist zum Beispiel, wenn Leute anreisen und ihr Zelt nicht aufbauen könnnen(bei Gelegenheit erzähl ich mal die ganze Geschichte). Das guckt man sich dann gemütlich aus der Hängematte eine halbe Stunde an, amüsiert sich und geht dann rüber und hilft. Also wenn das kein Urlaub ist weiß ich es auch nicht. Schöne Grüße

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