Keine Sau liest meinen Blog

Ruhpoldingisch für Immies (Die meistgelesenen – Aus dem Archiv)

An keinem Abend, an dem Anekdoten ausgetauscht werden, lasse ich diese Geschichte aus. So haben also schon viele Leute mitbekommen, wie ich mit Tränen in den Augen und unter Schnappatmung leidend dieses Schmuckstück erzählt habe. Sollte es trotz alledem jemanden geben, der sie noch nicht kennt: Hier ist sie. Franks Ruhpolding-Geschichte.

Vor einigen Jahren waren wir in den Ferien bei Freunden in Bayern (hallo Bine, hallo Walter!). Dort besuchten wir einen wunderschönen Freizeitpark mit unseren (damals noch zwei) Kindern. An jeder Ecke gab es etwas zu entdecken, jeder Knopf, den man drückte, bewirkte irgend etwas Tolles und in jeder Kiste, die man öffnen konnte, verbarg sich eine neue Sensation. Es knallte, schwirrte, erzählte, zauberte und summte bei jeder Bewegung.

Da der Freizeitpark auf zwei Ebenen angelegt ist, gibt es einen Tunnel, der die beiden Ebenen miteinander verbindet. Um diesen doch etwas öden Übergang so fröhlich wie möglich zu gestalten, sind an den Wänden des Tunnels Zerrspiegel montiert.

Knapp in diesem Tunnel angelangt, kam mein Mann auf die Kinder zugelaufen, nahm sich an jede Hand eines und rief voller Begeisterung: „Kommt mal mit, ich muss Euch was zeigen!“ Die Kinder erwarteten nach dem, was sie die letzten Stunden bereits gesehen hatten, Großartiges und stürmten mit dem Papa mit.

Frank blieb vor dem ersten Zerrspiegel stehen und fing nun vor den fassungslos dreinschauenden Kindern an, kräftig immer wieder gegen eben diesen zu treten. Alle Umstehenden – inklusive mir – guckten verdattert zu, was er da trieb. Auf meine Frage hin, warum er auf den armen Spiegel einträte, zeigte er auf ein Schild und sagte äußerst selbstsicher: „Was denn? Da steht es doch: Tritt vor den Spiegel, und Du wirst ein Wunder erleben.“ Als er die letzten Worte vorlas, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. So unauffällig wie möglich versuchte er sich von der Menschentraube und seiner hemmungslos wiehernden Frau wegzuschleichen.

Zum Glück ist ihm das in Ruhpolding passiert, wo ihn niemand kennt. Wie wahrscheinlich ist es schon, dass diese Geschichte bis nach Bergisch Gladbach dringt?

, ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.