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Warum Bequemlichkeit manchmal unbequem wird

Gestern ist es mir schon wieder passiert. Ich war zu einem Brunch geladen. Wie das Leben so spielt habe ich drei Kaffee getrunken. Und einen halben Sekt. Obwohl ich ja lieber Bier trinke. Aber man tut, was man tun muss. Und was man dann vor allem tun muss, ist: Auf Klo gehen. Als ich fertig war, habe ich den Klodeckel mit einem lauten Knall und anschließendem Scheppern zufallen lassen. Absichtlich! Mir war nur nicht klar, warum das so einen Lärm gemacht hat. Als ich mich umsah, wurde mir klar, was passiert ist. Das gesamte Bad war noch in einem anheimelnden 70er-Jahre-Mint gefliest, mit dazu passendem braunen Bodenbelag. Alles retro! Ja, damals gab es noch keine Softclose-Schaniere für Toiletten. Ich finde, es sollte ein neuer Gesetzesentwurf eingereicht werden. Entweder sollten alle Softclose-Deckel verboten oder vorgeschrieben werden. Die EU regelt doch sonst auch jeden Mist. Die Mindestlänge von Gurken und so. Aber um die richtig wichtigen Sachen kümmert sie sich halt doch nicht.

Vielleicht ist es aber auch so, dass wir mit allen ach so tollen neuen Erfindungen ein Stück unseres Hirns deaktivieren. Früher hätte man nie einen Klodeckel einfach fallen lassen. Es gibt aber etliche andere Beispiele. Ich glaube nicht, dass ich noch ein Auto einparken kann. Ich meine, so richtig einparken. Ohne Piep und Kamera oder Abstandsmesser. Wann seid ihr das letzte mal wirklich Fahrrad gefahren? So mit „Selbertreten“? Vielleicht kennt Ihr auch das Gefühl, dass man sich in einer lebensbedrohlichen Situation befindet, sobald man sein Handy zu Hause hat liegen lassen? Was soll man nun tun, wenn man einen Autounfall hat? Oder wenn man sich verspätet? Oder wenn der andere seine Quizduell-Frage nun endlich beantwortet hat?

Ich bezweifle, dass es noch Menschen gibt, die wissen, wie man sich die Zähne putzt oder einen Teig mit der Hand knetet. Ach ja, Teig ist nicht etwa das, was man schon in Brötchenform von Knack&Back aus der Kühltheke zieht, sonder das, was entsteht, wenn man Mehl, Wasser, Hefe und Salz zusammenmischt. Nein, nicht das Pulver, sondern diese kleinen Würfel, die man vor dem anrühren zerbröseln muss.

Ich werde also nun meine armen vernachlässigten Gehirnareale wieder auf Trap bringen und die Einparkhilfe ausschalten. Ich werde mein Handy häufiger mal zu Hause lassen und den Klodeckel vorsichtig runterklappen. Und morgen kaufe ich mir eine Sense, dann hat der Rasenmäher ausgedient.

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